Auch privat wollen Veränderungen gut gemanaget werden

Nur noch ein paar Wochen und die Weihnachtsferien beginnen. Die Plätzchen sollten gebacken, die Geschenke gekauft bzw. an das Christkind beauftragt sein und das ein oder andere spontan gemanaget werden. Perfekte Organisation und gutes Zeitmanagement sind nun gefragt. Doch das ist nicht immer ganz einfach durch die täglichen Herausforderungen. Die Schulzeiten variieren schon jetzt coronabedingt. Mal fängt der Unterricht später an, mal wird er durch Sitzungen über Teams am Nachmittag eingeschoben. Jeden Tag sieht der Zeitplan anders aus. Und dann beginnen die Weihnachtsferien schon früher. Die Zeit des unabgestimmten "Abarbeitens" ist wieder mal eingeschränkt.
Wie agieren Sie in dieser Zeit der ständigen Veränderung? Haben Sie eine Systematik, wie Sie mit den immer wechselnden Rahmenbedingungen im Privatleben umgehen lernen?

Im Change Management müsste man im ersten Schritt ein Gefühl der Dringlichkeit erzeugen. Das können wir hier überspringen. Das erledigt das herannahende Weihnachten zum Einen und die Corona-Einschränkungen zum Anderen für uns.

Weiterhin geht es um Sensibilisierung, Mobilisierung und Umsetzung. Leicht gesagt. In einer Familie, die sich in ihren Alltag mit Corona eingegroovt hat. Analysiere ich erst mal die Situation, stelle ich fest, dass verfrühte Weihnachtsferien erstmal keine Sensibilisierung meines Kindes erfordert.

Ok. Mobilisieren. Schaffen Sie im Miteinander Lösungen. Mit welchen Rahmenbedingungen können wir "arbeiten"? Was ist gut an der Situation? Wir hatten z. B. viel mehr Zeit, weil die Reisezeiten weggefallen sind.  
Was können wir weiterführen, was in der totalen Lockdown-Phase eine Hilfestellung für uns war? Was will ich bewusst verändern, damit die Familie die Zeit gut gemeinsam bewältigen kann? Die Pausenzeiten sind ein Thema. Keine Gespräche an der Kaffeemaschine, kein Smaltalk im Flur, all das waren kurze Pausen und sozialer Kontakt, der nun verschwunden ist. Ich blocke mir Zeiten im Kalender, damit nicht ein Termin den nächsten jagt und ich zwischendurch Luft holen kann.
Und schon sind Sie im nächsten Schritt des Change Managements. Reflexion. Hinterfragen Sie das Ausprobierte und lernen Sie aus den Erkenntnissen. Fragen Sie Ihre Kinder bzw. das familiäre Umfeld, wie es Ihnen mit der Situation ging. Ok, eine Dreijährige wird hier nur bedingt Feedback geben. Vielleicht reicht ein Lächeln. Sie spüren, was Ihre Kinder brauchen.

Einer Führungskraft würde ich im Change Prozess immer sagen: kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren. Sie sind als Eltern in der Führungsrolle. Hören Sie zu und reden Sie mit ihren Kindern. Auch darüber, dass die Situation für Sie vermutlich auch nicht immer leicht ist.

Was fehlt zu Hause? Raum, Platz, Pausen, Ruhe zum Arbeiten, technische Geräte, jemand der zwischen den Terminen den Kühlschrank füllt und etwas kocht…

Obwohl ich seit vielen Jahren u.a. von zu Hause arbeite und ich darin gut erprobt bin, stelle ich fest, dass so einiges aufgrund der Corona-Situation fehlt. Diese Veränderung wahrzunehmen und auch zu zulassen, ist mir als Change Managerin gar nicht so leicht gefallen. Ich kann gut mit Veränderungen... doch die mangelnde soziale Interaktion und das Jonglieren zwischen Arbeitszimmer (in dem mein Lebensgefährte Trainings hält) und Esstisch, der zur Wohnküche gehört und auch Dreh- und Angelpunkt aller Familienaktivitäten ist, fordern von mir Flexibiliät und Toleranz. Meine Kreativität leidet. Nichts kann im Fluss der Kreativität liegen gelassen werden, an das man schnell mal wieder anknüpft. Das Abendessen fordert den Esstisch ein und damit meinen "Kreativitätsraum". Ich brauche mehr denn je Frischluft. Egal ob Wohnung lüften oder Spaziergänge. Es bedarf einer räumlichen und bewegungsmäßigen Veränderung in dieser Zeit.

Ein weiterer Schritt im Change Management heißt kurzfristige Ziele setzen. So wird´s gemacht. Wir sprechen darüber, wer was, wann braucht und überlegen wie wir das täglich umsetzen können. Kurzfristig und spontan wechseln wir nun die Arbeitsplätze durch genauso wie die täglichen Aufgaben wie Essen kochen oder einkaufen.  
Jetzt wäre es an der Zeit um Erfolge zu konsolidieren und weitere Veränderungen abzuleiten. Ich finde es schon einen großen Erfolg, wenn man die letzten Monate gut miteinander ausgekommen ist, auch wenn man seinen Lieben nur virtuell nah sein konnte. Der größte Erfolg ist für mich, wenn ich wahrnehme, dass nicht über andere geurteilt wird, wie sie mit diese C-Zeit gut oder schlecht umgehen. Denn wenn man in einer Veränderungsphase ist (und das sind wir gerade ALLE), kann man nicht wissen, wie es dem Gegenüber in dieser Situation wirklich geht. Warum sollte ich mir ein Urteil dazu erlauben? 

Nun würde der Schritt folgen: neue Ansätze in der Kultur entwickeln. Das nehme ich mir für die Tage nach Weihnachten vor. Vorher genieße ich die "andere" staade Zeit und übe mich im aushalten, tolerieren, reflektieren, mutig bleiben oder einfach nur Plätzchen essen.

Veränderung kann leicht sein, wenn die Veränderungsenergie größer ist als der Widerstand. Ich wünsche Ihnen mutige Veränderungsenergie und geringen Widerstand. Probieren Sie es doch einfach aus. Es könnte ja gut werden.

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